Die Arbeit mit Gruppen ist für viele Therapeuten ein Dauerthema: die Dynamik der Beziehungen, die Veränderungskräfte in der Interaktion, das Potenzial für tiefgreifende Einsichten. Aber es gibt einen Punkt, den kaum jemand erwähnt – die Überforderung durch zu viel Vorbereitungsarbeit. Eine Studie aus 2022 zeigte, dass 68 % der klinisch tätigen Psychotherapeut:innen mindestens einmal pro Woche länger als zwei Stunden vor einer Gruppensitzung arbeiten müssen. Und das nicht nur zur Planung der Themen, sondern auch zur Ausarbeitung von Materialien, Übungen und Feedbacksystemen.
Dieses Problem ist nicht neu. Doch die Lösung liegt oft nicht in mehr Zeit oder mehr Ressourcen – sondern in einer anderen Struktur. Praxisgemeinschaft Schwarme online bietet hier einen anderen Ansatz: statt monatelange Prozesse zu planen, wird auf eine gemeinsame Erfahrung basiert gearbeitet. Die Gemeinschaft funktioniert nicht als reiner Austausch von Tipps, sondern als lebendiger Raum, in dem Praxiserfahrungen direkt in Formate übersetzt werden.
Gemeinsame Erfahrung statt fertige Inhalte
Standardisierte Arbeitsblätter und strukturierte Module haben ihren Platz. Aber sie verlieren an Kraft, wenn sie nicht mit dem Alltag verbunden sind. In der Praxisgemeinschaft Schwarme wird genau darauf verzichtet. Statt sich mit theoretischen Modellen auseinanderzusetzen, bringen Mitglieder tatsächlich was sie gerade erlebt haben – ein missglücktes Übungsaufkommen, eine plötzliche Spannung im Raum, eine unerwartete Verbindung zwischen zwei Teilnehmer:innen.
Diese Fälle werden dann gemeinsam reflektiert – nicht um Lösungen zu finden, sondern um zu verstehen: Was hat dies bewirkt? Was war unerwartet? Warum hat sich jemand zurückgezogen? Anstatt Antworten vorab zu liefern, entstehen neue Fragstellungen. Und aus diesen entstehen neuartige Ansätze – ohne Dokumentationen, ohne PowerPoint-Präsentationen.
Die Rolle des „Fragen“ statt des „Lösens“
Vielen Therapeut:innen fehlt nicht das Wissen – sondern die Mut dazu, Fragen zuzulassen. Die Angst vor Stillstand führt oft dazu, dass sie sofort Interventionen einführen oder neue Übungen anbieten. Doch dies kann den Raum konservieren und Veränderung hemmen.
In der Praxisgemeinschaft Schwarme geht es anders: Wenn jemand aus einer Sitzung berichtet und sagt „Ich habe gespürt, wie jemand weggelaufen ist“, dann wird nicht sofort gefragt „Was hättest du anders gemacht?“. Stattdessen wird nachgefragt: „Was hat dich daran erinnert? Gab es etwas im Tonfall? In der Körpersprache?“, wobei jede Antwort ernst genommen wird – unabhängig davon ob sie praktisch nutzbar scheint oder nicht.
Bildungsprozesse entstehen aus Gesprächsräumen
Eine häufige Falle ist die Überforderung durch Bildungsziele: „Ich will bis zum nächsten Jahr sicherer sein im Umgang mit Konflikten.“ Damit wird der Lernprozess selbst zum Ziel – was ihn blockiert. Das Gegenteil passiert bei einer regelmäßigen Gruppe wie der Praxisgemeinschaft Schwarme: Es gibt keine festgelegten Ziele vorab.
Stattdessen wächst Kompetenz durch wiederholte Rückkehr zu ähnlichen Situationen unter verändernden Bedingungen. Als Mitglied erfährt man langsam: Man braucht keine Perfektion in jeder Sitzung. Es reicht aus zu beobachten und sich auf das Verwirrende einzulassen.
Hinter den Kulissen des Wissensaustauschs
Dieser Prozess wirkt weniger dramatisch als klassische Fortbildungen. Keine offenen Kursmodule im Voraus. Keine abgeschlossenen Module nach Abschluss eines Seminars mit Zertifikat.
Stattdessen besteht die Gemeinschaft daraus, dass Menschen regelmäßig miteinander reden – meist über digitale Kommunikationswege wie Zoom oder einem eigenen Forum – und dabei einfach erzählen können was gerade geschieht im Raum ihrer Arbeit.
- Jeder Beitrag geht vom konkreten Fall aus – niemals von abstrakten Theorien
- Ausgangspunkt ist immer eine persönliche Wahrnehmung
- Nichts muss gelöst werden – es reicht eine tiefe Beschreibung des Geschehens
- Fehler sind Teil des Prozesses und werden reflektiert statt verdrängt
- Diskussionen bleiben offen; kein Druck auf ein klares Ergebnis
- Auszug erfolgt ausschließlich auf individuellem Bedarf und Interesse